Wie Einbrecher tatsächlich vorgehen
Der Einbrecher aus dem Film, der Schlösser lautlos mit Dietrichen öffnet, ist die Ausnahme. Die große Mehrheit arbeitet mit einem großen Schraubendreher oder einem kleinen Brecheisen – und mit der Hoffnung, schnell hineinzukommen. Typisch ist das Aufhebeln: Das Werkzeug wird zwischen Flügel und Rahmen gesetzt und die Tür oder das Fenster aufgedrückt.
Daraus folgt die wichtigste Regel: Einbrecher wollen Zeit sparen. Nach Angaben der Polizei scheitert ein erheblicher Teil der Einbrüche bereits im Versuch – sehr oft an guter mechanischer Sicherung. Wer es dem Täter schwer macht und ihn mehrere Minuten aufhält, hat die besten Chancen, dass er aufgibt.
Wo zuerst gesichert werden sollte
| Wohnsituation | Schwachstelle Nr. 1 | Schwachstelle Nr. 2 |
|---|---|---|
| Wohnung im Mehrfamilienhaus (ab 1. OG) | Wohnungstür | Zugang über Balkon in niedrigen Etagen |
| Erdgeschosswohnung | Fenster und Terrassentür | Wohnungstür |
| Einfamilien- oder Reihenhaus | Terrassen- und Kellertür, Erdgeschossfenster | Haustür, Nebeneingänge |
| Laden, Praxis, Büro | Eingangstür und Schaufenster | Hintereingang, Lieferzugang |
Sinnvoll ist, mit dem Bauteil anzufangen, das am leichtesten erreichbar und am wenigsten einsehbar ist. Eine Terrassentür im blickgeschützten Garten ist gefährdeter als eine Haustür an der belebten Straße.
Die Wohnungstür: In dieser Reihenfolge nachrüsten
- Schließzylinder mit Bohr- und Ziehschutz, der außen nicht übersteht – Details auf der Seite Schließzylinder.
- Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung, von innen verschraubt – siehe Schutzbeschlag.
- Verstärktes Schließblech, tief im Mauerwerk verankert. Ein billiges Schließblech mit kurzen Schrauben ist die häufigste Schwachstelle, die niemand sieht.
- Zusatzschloss oder Querriegel wie ein Panzerriegel – sichert auch die Bandseite gegen Aufhebeln.
- Bandseitensicherung, wenn die Scharniere außen liegen.
Eine Tür ist nur so stark wie ihr schwächstes Teil. Ein Premium-Zylinder in einer Tür mit wackeliger Zarge bringt wenig. Deshalb lohnt sich vor jedem Kauf ein Blick auf das Ganze.
Fenster und Terrassentüren
Standardfenster haben oft nur einfache Rollzapfen, die mit wenig Kraft aus den Schließblechen gehebelt werden können. Nachrüstbar sind abschließbare Fenstergriffe, Pilzkopfzapfen mit passenden Sicherheitsschließstücken und aufschraubbare Zusatzsicherungen nach DIN 18104-1. Ein abschließbarer Griff allein schützt übrigens nicht gegen Aufhebeln – er verhindert nur, dass der Griff von außen durch ein Bohrloch gedreht wird.
Bei Neubau oder Fenstertausch lohnt es sich, gleich einbruchhemmende Elemente nach DIN EN 1627 zu wählen. Die Polizei empfiehlt für Wohngebäude in der Regel mindestens die Widerstandsklasse RC2.
Was Geld verschwendet
- Kameraattrappen – erfahrene Täter erkennen sie, und sie halten niemanden mechanisch auf.
- Billige Zusatzschlösser aus dem Discounter mit kurzen Schrauben in der Holzzarge.
- Alarmanlagen ohne mechanische Grundsicherung – sie melden den Einbruch, verhindern ihn aber nicht.
- Teure Zylinder ohne passenden Beschlag – siehe oben.
Elektronik kann sinnvoll sein, aber immer als Ergänzung zu mechanischem Schutz, nicht als Ersatz.
Beratung, Förderung und Steuer
Die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Stuttgart berät kostenlos und herstellerneutral, auf Wunsch auch vor Ort. Das ist ein guter erster Schritt, bevor Sie Angebote einholen.
Die Montage von Sicherungstechnik durch einen Handwerksbetrieb gilt als Handwerkerleistung: 20 Prozent der Arbeitskosten lassen sich nach § 35a EStG von der Steuer abziehen, bis zu 1.200 Euro im Jahr. Dafür brauchen Sie eine Rechnung mit ausgewiesenem Arbeitsanteil und müssen per Überweisung zahlen. Ob es zusätzlich Förderprogramme der KfW gibt, ändert sich immer wieder – prüfen Sie den aktuellen Stand vor dem Auftrag.
Urlaub und lange Abwesenheit
Viele Einbrüche passieren tagsüber, wenn niemand zu Hause ist – und besonders dann, wenn eine Wohnung erkennbar leer steht. Ein überquellender Briefkasten, tagelang geschlossene Rollläden oder ein dunkles Haus am Abend sind deutliche Signale.
- Briefkasten von Nachbarn leeren lassen oder die Post für die Zeit umleiten.
- Zeitschaltuhren für Licht in verschiedenen Räumen, idealerweise mit wechselnden Zeiten.
- Rollläden nicht dauerhaft geschlossen lassen – das wirkt eher wie ein Hinweis als wie ein Schutz.
- Urlaubsfotos erst nach der Rückkehr posten.
- Zweitschlüssel nicht in der Wohnung „verstecken“, sondern bei einer Vertrauensperson hinterlegen.
Nach einem Einbruchsversuch
Wer Hebelspuren an Tür oder Fenster entdeckt, sollte die Polizei rufen – auch wenn der Täter nicht hineingekommen ist. Die Spuren helfen bei der Aufklärung, und die Anzeige brauchen Sie für die Versicherung. Danach sollte das beschädigte Bauteil zügig geprüft werden: Ein verbogenes Schließblech oder eine angebrochene Zarge halten beim nächsten Versuch deutlich weniger aus.

